Diving & Sailing Sint Maarten & British Virgin Islands

February 2023


Begonnen hat alles, als mich Phil (aka Bernhard) letzten Juni bei einem unserer Big Band Konzerte gefragt hat, ob ich Pia und ihn nicht mal auf ihrer großen Reise auf ihrem Boot der Segelyacht Mêlée besuchen möchte. Was für eine Frage. Die Antwort kam sofort und war ein klares „ja“.

Da aufgrund fast 90 offener Urlaubstagen eine Auszeit für mich ohnehin dringend erforderlich war, habe ich mir gleich mal vier Wochen davon selbst verordnet. 😊

 

So konnte ich bereits eine Woche vor dem Anheuern auf der Mêlée die karibische Sonne auf Sint Maarten genießen und mich richtig akklimatisieren. Ich habe acht - eigentlich unerwartet besonders tolle - Tauchgänge mit karibischen Riffhaien, Stech- und Adlerrochen, einigen großen Fischschulen und einer anschmiegsamen Schildkröte gemacht. Nach dem - damit wieder in Ordnung gebrachten - Stickstoffhaushalt (nicht ernst gemeinter Tauchbegriff) habe ich auch mit den Deco-Bieren (obligatorische Elektrolytzufuhr nach den Tauchgängen eines Tages) und dem ersten Rum nach langer Zeit in meiner neuen karibischen Lieblingskneipe „Lagoonies“ meinen dry January angemessen beendet.

Genau das war dann auch die Kneipe, wo ich die Crew der Mêlée getroffen habe. Es war sehr nett neben Pia und Phil auch mit den Bordgästen vor mir - Johanna und Michael - noch einen Tag und Abend gemeinsam verbringen zu können.
Mit dem Mietauto fuhren wir einen Sprung nach Marigot, besuchten den berühmt-berüchtigten Maho Beach direkt vor der Landebahn des Airports SXM und erfrischten uns im Meer und mit einem Sundowner-Bier am Indigo Beach. Dort schickten Phil, Michael und ich auch einen digitalisierten Urlaubsgruß an unsere Big Band Kollegen daheim. Am Abend genossen wir ein tolles Dinner im „Lagoonies“ inklusive Livemusik und später noch einen Absacker in meinem Appartment um’s Eck.

 

Ich habe es die Tage davor auf St. Maarten auch geschafft eine gebrauchte Gitarre („Juanita“) für die Zeit am Boot zu besorgen. Challenge accomplished. Ich hatte das riesige Glück vor vielen Jahren schon Segeltörns auf privaten Booten in der Karibik machen zu können. Vor 18 Jahren habe ich auf dem Katamaran Perle (noch unter anderem Eigner) sogar fast dieselbe Tour gemacht. Zeit auf einem Segelboot in der Karibik ohne Gitarre an Bord hätte ich mir jedenfalls nicht vorstellen können. Vor allem da Phil ja sogar ein Mini-Keyboard dabei hat.

Nachdem ich am nächsten Morgen Johanna und Michael mit meinem Mietauto zum Flughafen auf der französischen Seite geschupft habe, bezog ich meine neue Bleibe für die nächsten 2,5 Wochen. Gemeinsam mit meinem großen Tauchkoffer und Juanita wurde ich in der Bug-Kabine untergebracht. Weiters galt es Laundry zu erledigen und neuen Proviant aufzunehmen.
Nach einem köstlichen Willkommens-Rum-Punsch an Bord gönnten wir uns sensationelles Thai Curry an der Simpsons Bay und verbrachten eine letzte Nacht in der gleichnamigen Marina in der Lagune.

 

Um 16 Uhr des nächsten Tages ging es dann durch die - um die Zeit für ausfahrende Boote geöffnete - Schiffsbrücke raus auf’s offene Meer zur Nachtfahrt. Unsere Passage (nautischer Begriff – in weiterer Folge als nB abgekürzt) auf die British Virgin Islands (BVIs). Mit Schmetterling-Besegelung (nB) und zunächst angenehmen raumen Windverhältnissen ging’s also Richtung Sonnenuntergang, wo wir die ersten Seemannslieder gemeinsam zum Besten gaben. Selbst das uns passierende Kreuzfahrtschiff hat uns um diese Stimmung an Bord beneidet. (Anm.: „es hat uns Steuerbord liegen lassen“ – nB).

In der Nacht wechselten wir uns zu dritt ab, nur brauchte ich nach wechselnden Windverhältnissen bei einer meiner Schichten Unterstützung, da meine Segelkenntnisse für derartige Manöver noch nicht ausreichend waren.
Pia und Phil haben mir in der Zeit am Boot auf meinen Wunsch hin sehr viel über’s Segeln beigebracht, mich laufend abgeprüft, Kommandos gegeben und auch geben lassen und als Rudergänger (nB) das Steuer übergeben. Einmal durfte/sollte ich als Übung motorend einen „perfekten Kreis“ um einen an einem Klappdraggen (nB) hängenden Fender fahren, den Fender mit dem Heck ansteuern und eine Tellerdrehung machen. Mir hat das so unglaublich viel Spaß gemacht! Ich danke Euch an dieser Stelle ganz narrisch!

Eines Abends gab es sogar ein großes von Pia und Phil erstelltes, sehr kniffliges Quiz wo ich echte und erfundene nautische Begriffe entsprechend zuordnen musste. Gut möglich, dass das eine oder andere neu erfundene Wort seinen Weg in die Seglersprache machen wird. Wie z.B. Neptunbesegelung = volle Segel, so wie es Neptun haben will; Raupenbündel = Korb mit Bändsel; anrassen = „ankokettieren“ des Rudergängers. Ich hab mir zum Vergnügen von Pia und Phil ordentlich die Zähne daran ausgebissen, hab mich aber am übernächsten Abend mit einem eigenen Quiz über existierende und nicht existierende Meereslebewesen angemessen revanchiert 😊

Auf den BVIs angekommen wurde der Plan konkreter Pia eine ordentliche Tauchausbildung (OWD-Kurs) zu verpassen, während Phil und ich Fundives machen. Die Idee es auf der westlichen Insel Jost van Dyke zu probieren und so möglichen Kreuzfahrtschiff-Tauchern auszuweichen war leider nicht die allerbeste. Nachdem wir uns auf dem grenzwertig kitschigen Strand von The Bath herumgetrieben haben ging’s vorerst vor dem Wind (nB) zunächst nach West End – Soper’s Hole und zeitig am nächsten Morgen auf einem kurzen Schlag (nB) zu unserem neuen Ziel. Die Tauchbasis auf Jost van Dyke war nämlich eher ein Einkaufsgeschäft als ein ernstzunehmendes Tauch-Business und wie Pia im Blog geschrieben hat konnten wir letztendlich durch exzessive Nutzung des WLANs der Kneipen vor Ort einen Kurs für Pia und Fundives für Phil und mich in 3 Tagen bei einer Tauchbasis auf der Hauptinsel Tortola aufstellen.

Wir nutzen die Zeit, fuhren am nächsten Tag mit der Sturm-Fock zurück nach West End und unter Motor weiter ohne Genierer quer durch Amerikanische Hoheitsgewässer auf die südliche Insel Norman Cay. Ich war dort bereits vor 18 Jahren mit meiner damaligen Crew auf der Willy T – einem Partyschiff (!) zugange, mit sehr lustigen – aber auch verschwommenen – Erinnerungen. Unvergessen ist die damalige vom Piraten-(Un)wesen inspirierte „Attacke“ vom Dinghy auf den Katamaran Perle bei der Rückkehr von Willy T unseres Crew-Mitglieds „Rudi“, die ihm nicht so ganz optimal gelungen ist 😊
Die Mêlée-Crew wollte dem um nichts nachstehen und feierte angemessen inklusive cooler Dance-Moves und dem abschließenden, nächtlichen Sprung vom Heck. Damit wir – wie Rudi damals – nicht trocken auf das eigene Segelboot zurückkehren.

Am nächsten Tag ging es für 2 Tage in die Nanny Cay Marina auf der Südseite der Hauptinsel Tortola, wo wir alles mit der Tauchbasis klar machten, den Pool nutzten, (Britisch)-Virgin-(Island)-Cocktails und ein Smoked Hering Stew mit Dumplings (genialer kreolischer Eintopf, dessen Rezept ich von meinen damaligen Karibik-Reisen hatte) zubereiteten und genossen.

Dann ging’s endlich wieder unter Wasser – Pia machte ihre ersten Tauchübungen. Phil, unser Dive-Guide Kyle und ich hatten Freude mit 2 coolen Dives auf Norman und Pelican Island. Highlights: wunderschöne Muräne, Critters und eine sehr zutrauliche Schildkröte. Wie zu erwarten war tat sich Pia sehr leicht mit Ihrem Kurs in Theorie als auch der Praxis. Sie hat lediglich ihre Sünden abgebüßt das Online-Manual bei schlechter WLAN-Verbindung studieren zu können.

Dann gab’s drei Tage Tauchpause, zumindest war das der Plan. Wir fuhren von Nanny Cay südlich zu Peter Island, wo ich als Rudergänger beim Segeln mitten am Meer eine Boje übersehen hab und fast einen unfreiwilligen Irren Ivan (nB) vollzogen hab. Mit vereinten Kräften konnten wir uns befreien (den Manöverschluck danach haben wir uns echt verdient :-)), ankerten über Nacht in der White Bay und machten uns die genialsten Hot Dogs, die ich jemals gegessen hab.


Alle (meist von Pia) zubereiteten Speisen in der Bordküche und auf Phil’s Bordgrill waren sensationell z.B. Schwammerlrisotto, Vodka-Nudeln, Erdäpfel-Gröstl. Nach einem aufregenden Segel- und/oder Tauchtag schmeckt selbst zubereitetes Essen an Bord einfach sagenhaft gut. Dann noch den Tag mit einem Bier und einem Ti-Punch bei Backgammon, einer Musik-Session oder Gedichten (z.B. Otto’s Mops, die Westküsten) ausklingen lassen und man kann glücklicher kaum sein 😊

Weiter ging’s nach Cooper Island auf eine unverschämt teure Ankerboje, aber als Ausgleich gab‘s gutes selbstgebrautes IPA in der Happy Hour und eine Tauchbasis, wo ich mir spontan zwei zusätzliche Tauchgänge für den nächsten Tag organisieren konnte. Am Nachmittag ging’s noch zum Schnorcheln mit Ammenhai, Barrakudas und riesigen Tarpons.

Die zusätzlichen Tauchgänge führten mich auf coole Wracks, die Beate – ein aufrecht-stehendes Tugboat und dann nach 18 Jahren neuerlich auf die berühmte britische R.M.S. Rhone, einen Dampfsegler, der 1867 gesunken ist. Das absolute Highlight war ebendort ein schwarzes/rotes Seepferdchen, wo ich für gute Fotos und Videos eine kurze Tauch-Deko in Kauf nahm, die ich bei einem ganzen Haufen von Langusten am Bug des Wracks auf 6 Meter vergnüglich und sehr entspannt abhängen konnte.

An den nächsten beiden Tagen waren wir wieder alle gemeinsam unter Wasser anzutreffen – und zwar wieder zurück auf Norman Island (diesmal aber ohne Besuch von Willy T). Als „Yachti“ kann man dabei ein ganz besonderes Service in Anspruch nehmen. Es nennt sich Rendezvous und man wird dabei mit dem Tauchboot direkt vom eigenen Boot abgeholt und nach den Tauchgängen wieder zurückgebracht. Dementsprechend aufgeregt war ich. Schließlich hatte ich noch keine Rendezvous beim Tauchen, soweit ich mich erinnern kann. 😊

Es ging wieder zu Pelican Island unsere bereits bekannte Schildkröte besuchen und zu den Indians. Ganz besonders geschätzt hab ich meine neue – mir zugewiesene – Aufgabe auf dem Tauchboot, nämlich das Boot mit einer zusätzlichen Leine tauchenderweise mit einem Karabiner auf dem Meeresgrund bei den Bojenplätzen zu befestigen. Das bescherte mir vor jedem Tauchgang mindestens 10 Minuten zusätzliche Tauchzeit und bei einem Tauchgang davon eine Maniküre von einer kleinen Putzergarnele.

Auch erwähnenswert war das obligatorische Dekobier, welches bereits an Bord nach dem 2. Tauchgang auf uns wartete. Einmal sogar gleich nach dem Auftauchen - noch mit vollem Equipment schwimmend - direkt in’s Wasser geliefert.

Wieder auf der Mêlée abgeliefert segelten wir wieder rauf zu Peter Island – diesmal auf die Nordseite in die supernette Bucht Little Harbour, wo man sich nebeneinander mit Anker und Landleinen auffädelt.

Der nächste Rendezvous-Tauchgang war ein ganz besonderer. Wir waren ganz im Süden von Norman Island und hatten fast den gesamten Tauchgang über Walgesänge im Ohr. Die waren dabei so laut, dass wir (vor allem ich) fast ständig das Blauwasser im Blick hatte. Ich hätte schwören können, dass mein ganz großer Traum an dem Tag in Erfüllung geht. Das war leider nicht der Fall – aber das hat meine Stimmung nach dem Erlebnis in keinster Weise getrübt. Ich blieb viel länger auf der Bootsleine beim Sicherheitsstopp als erforderlich, um noch mehr davon hören zu können.

Nachdem unser Ankerplatz so schön war, beschlossen wir noch eine Nacht zu bleiben. Beim Nachmittagsschnorcheln (nein, wir hatten von der Welt Unterwasser noch lange nicht genug) hatten wir Stechrochen, Garden Eels, einen Trunkfisch, der die Reste eines Lobsters verspeiste und eine große Cobia (ein Offiziersbarsch), die sich am Kiel der Mêlée gemütlich eingerichtet hat.
Am Abend gab’s Pias sensationelles vegetarisches Chilli und wir feierten the brand new diver Girl Pia (whoohoo!) und es gab eine coole Musik-Session.


Am nächsten Tag war Nachbunkern in Road Town (der Hauptstadt der BVIs) angesagt. Wir nutzten den Landgang für einen Pub-Ausflug mit Pub-Essen, bevor wir den neuen Proviant auf die Mêlée brachten. Der nächste Ankerplatz war westlich von der Privatinsel Buck Island mit Meereslebewesen-Quizz, kubanische Zigarre und Rum.

 

Unter streckenweiser Neptun-Besegelung gings zum nächsten Stopp auf Marina Cay, Schnorcheln, Shop-Drink und Chips mit WLAN in der exquisiten, noblen Scrub Island Marina und zurück an Bord mit Grillgemüse und selbstgemachten Fladen.

Weiter dann – wieder kurzzeitig mit Neptun-Besegelung – über den Norden von Great Camanoe vorbei an der Lee Bay (super Name!) zur traumhaften White Bay von Guana Island. Dort dann zu einem Ausflug mit karibischem Fotoshooting auf den heißen Sandstrand.

Weil für karibische Verhältnisse ungewöhnlich wenig Wind war, gab’s sogar einen gemütlichen Sundowner am Bug der Mêlée mit Ti-Punch, Chips und Gitarre "Juanita" (Jamaica Farewell, Redemption Song, You belong to me, …).

Nach salzigem Süßkartoffel-Linsen-Eintopf - ich war beim Kochen wohl etwas verliebt in die Karibik – hatten wir einen längeren Pink Floyd Abend im Cockpit mit abgedecktem Bimini unter dem Sternenzelt.


Time is flying when you’re having fun.
Zu meinem letzten Abend fuhren wir durch die knifflige Passage mit Kardinalszeichen im Nordquadranten (nB) südlich von Little Camanoe (für Mietjachten verboten) in die Trellis Bay beim kleinen Flughafen der BVIs (5 Minuten Fußmarsch vom Dinghi-Steg bis zum Departure-Check-In).


Es gab Captain’s Dinner im Loose Mongoose mit IPA, Miesmuscheln, Langusten-Taschen und noch ausgezeichnete Cocktails. Für gewöhnlich trinke ich keine Mischgetränke, aber hin und wieder einen „Painkiller“ in der Karibik kann ich dann doch nicht auslassen. Vor allem wenn sich der bevorstehende Abschiedsschmerz bereits breit macht.

Nach einem kurzen Flug mit einer kleinen Propellermaschine gestern sitze ich gerade wieder in meiner Lieblingskneipe on St. Maarten „Lagoonies“, wo ich mit Blick zurück und Blick auf all die Segeljachten vor mir diesen Bericht verfasse.

Hab ich überhaupt schon geschrieben, dass ich mich bei Pia und Phil herzlich bedanke, dass sie mich eingeladen haben mit ihnen in der Karibik auf der Mêlée mitzusegeln und mir eine großartige, unvergessliche Zeit ermöglicht haben! Ich hatte so viel Spaß mit Euch! Danke!

Ich wünsche Euch noch die allerbeste Zeit – genießt jeden Augenblick!
Jimi (Ivan, nicht Brown – „denn es blieben ihm der Ti-Punch, die Gitarre und das Meer“)